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Bei AC/DC spielt die Musik

Brachte AC/DC Power in die Musik-Branche – so bringt jetzt Recom Musik in die AC/DC-Power-Branche. Kannte man die Firma bislang primär von ihren DC/DC-Wandlern, so nimmt sie jetzt «High-Power»-Netzteile ins Visier. Anlässlich eines Besuchs der Firmenzentrale in Gmunden nahm CEO Karsten Bier Stellung zu Trends und Chancen im Stromversorgungsmarkt.

 

«Ende 2013 haben wir entschieden, zusätzlich interessante Nischen für AC/DC-Netzteile ins Visier zu nehmen», sagt Karsten Bier, CEO der Recom-Gruppe. Zwar habe sein Unternehmen neben DC/DC-Wandlern und LED-Treibern schon seit Jahren Netzmodule entwickelt und damit vor allem bei der energiesparenden Versorgung von Standby-Schaltungen eine dominierende Rolle gespielt. Aber erst mit dem Umzug in die neue Firmenzentrale sei man dann auch messtechnisch in der Lage gewesen, Produkte höherer Leistungsklassen zu entwickeln. «Es macht einen grossen Unterschied, ob wir über ein paar Watt reden, oder über einige hundert Watt», betont der CEO.

Zwei Millionen Franken in EMV-Testausstattung

Dies gilt speziell im Bereich EMV, der elektromagnetischen Verträglichkeit. So hat die Firma ca. 2 Mio. Franken in EMV-Testequipment investiert, u. a. in eine von Rohde & Schwarz ausgestattete 3-m-SAC-Kammer (Semi Anechoic Chamber). Hier ist man nun in der Lage, das EMV-Verhalten neuer Designs permanent zu optimieren, ohne sich in die Warteschlange bei den Zertifizierungsstellen einreihen zu müssen. «Das macht unsere Produkte nicht nur besser – wir kommen auch wesentlich schneller ans Ziel», weiss Bier zu berichten. Wenn man sich einem sehr breiten Markt mit hunderten von Wettbewerbern nähert, wie dem der Stromversorgungstechnik, ist eine Fokussierung auf jene Nischen wichtig, in denen die eigenen Stärken bestmöglich zur Geltung kommen. Auf die Frage nach den drei wichtigsten Kernkompetenzen seines Unternehmens sagt Bier schmunzelnd: «Zuverlässigkeit, Zuverlässigkeit und nochmals Zuverlässigkeit!» In den letzten Jahren hat das Unternehmen einen extremen Aufwand betrieben, um alle Produkte auf maximale Lebensdauer zu trimmen. «Null Prozent Fehlerrate ist unser Ziel», sagt Wolfgang Wolfsgruber, der Leiter des Qualitätslabors, nicht ohne Stolz. In seinem bestens ausgestatteten Umwelt- labor werden bereits Prototypen in so genannten HALT-Tests auf mögliche Schwachstellen hin untersucht.

Mit Wärmebildkamera auf Hotspot-Suche

Recom begnügt sich nicht damit, die anhand verwendeter Bauteile aus standardisierten MIL-Tabellen errechnete MTBF der Produkte zu spezifizieren; die verantwortlichen Mitarbeiter ermitteln in ausgiebigen Praxistests die «Design Lifetime» – die tatsächlich zu erwartende Lebensdauer der Produkte. Diese ist dann besonders gut, wenn man nur hochwertige, grosszügig dimensionierte Komponenten verwendet und für ein thermisch gut balanciertes Design sorgt.

So sucht man bei jedem Prototyp mit einer Wärmebildkamera gezielt nach möglichen «Hotspots», um diese dann so zu entzerren, dass man eine möglichst harmonische Temperaturverteilung erreicht. Speziell Elkos müssen in den kühleren Bereichen positioniert sein, um einem frühzeitigen Verdampfen des Elektrolyts vorzubeugen. «Nehmen wir beispielsweise unsere neuen DIN-Rail-Netzteile REDIN45 und REDIN60 – die sind mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 10 Jahren Dauerbetrieb getestet», weiss Wolfsgruber und verweist auf die ungewöhnlich lange Garantiezeit von sieben Jahren.

Zuverlässigkeit ist wichtiger als der Preis

Netzteile für die Hutschiene sind laut Bier ein klassisches Beispiel für eine Marktnische, in der Zuverlässigkeit weit wichtiger einzuschätzen ist als der Preis. «Wenn wegen eines minderwertigen Netzteils eine Produktionsanlage steht, reden wir schnell von Kosten, die das Vielfache eines Netzteils ausmachen», erklärt Bier. «Fit and Forget» sei deshalb die Devise. Einfach Netzteil auf die DIN-Schiene klicken und für Jahre vergessen können – das sei eine klassische Nische für Recom.

Eine weitere solche Nische ist die Medizinelektronik. Für den Stromversorgungsspezialisten nur ein logischer Schritt, da die Firma mit der Problematik rund um Sicherheit und Isolation schon seit Jahren vertraut ist. Hatte man bislang nur entsprechend gut isolierte DC/DC-Wandler im Portfolio, verfügt man inzwischen mit den Familien RACM100 und RACM150 zusätzlich über «medizinische Netzteile» mit Leistungen bis 150 W. Solche Netzteile sind überall dort erforderlich, wo Technik direkt am Patienten eingesetzt wird – also bei Diagnose- und Therapiegeräten.

Karsten Bier: «Unsere Netzteile entsprechen der 3rd Edition der IEC60601-1 und haben eine Isolation von 2 Mal MOPP (Means of Patient Protection) – diese Norm ist eine globale Messlatte für Sicherheit in der Medizintechnik – mit doppelter Isolation und vergrösserten Luft- und Kriechstrecken im Trafo.»

Dank ihres sehr guten Wirkungsgrads von 92 Prozent, sind die Geräte leichter und kleiner als vergleichbare Produkte – ein Vorteil bei mobilen Stationen, die von Patient zu Patient bewegt werden müssen. Ausserdem lässt sich das 150-W-Modell RACM150 bis 130 W Leistung ohne Lüfter betreiben, was sich positiv auf den Geräuschpegel im direkten Umfeld auswirkt.

Firmenzentrale basiert auf zukunftsweisendem Konzept

Die Frage nach seinen Visionen kontert Bier mit der Feststellung, dass man mit der neuen Firmenzentrale gerade erst einen lange gehegten Traum realisiert habe. Das realisierte Konzept in Gmunden bietet nicht nur den derzeit knapp 60 Mitarbeitern in Entwicklung, Qualitätssicherung, Marketing und Administration ein optimales Arbeitsumfeld, sondern dient zugleich als Begegnungsstätte für Ingenieure aus der Industrie und Studenten lokaler Universitäten. Das nahezu energieneutrale Gebäude gewinnt seinen eigenen Solarstrom sowie die Heiz- und Kühlenergie aus einem tief unter dem Gebäude verlaufenden Grundwasserstrom.

Karsten Biers Vision ist es, rund um Gmunden einen Power-Cluster zu schaffen, in dem Technik gelebt und kommuniziert wird. Das lichtdurchflutete Gebäude symbolisiert die Offenheit des Unternehmens gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Partnern. Für Gäste gibt es separate Arbeitsräume – insbesondere auch für Studenten befreundeter Universi­täten. Im Obergeschoss des Firmensitzes befinden sich ausserdem drei Apartments, um den Aufenthalt so effektiv wie möglich zu gestalten. «Wir bieten eine Plattform für Innovation und Kommunikation in der Power-Branche», sagt Bier und verweist auf flache Organisa­tionsstrukturen und offene Türen als Schlüssel für die hohe Entscheidungsfreude im Unternehmen. «Innovation steckt in den Köpfen der Menschen», ist der CEO überzeugt. Es sei die Aufgabe eines Unternehmers für ein Klima zu sorgen, in dem Mitarbeiter den Mut haben, eigene Ideen zu entwickeln. Dies sei letztlich einer der ganz wichtigen Erfolgsfaktoren seiner Firma.

Starkes Umsatzwachstum dank Innovationen

Recom Power konnte den Umsatz – nach einer kleinen Pause während der Rezession – in den vergangenen fünf Jahren mehr als vervierfachen. Insbesondere in den Wachstumsmärkten in Asien und USA hat das Unternehmen überproportional zugelegt. Im laufenden Geschäftsjahr liegt das Wachstum bei über 20 Prozent. Neben dynamischen Produktinnovationen ist es laut Karsten Bier ganz entscheidend für den Erfolg seines Unternehmens, dass einmal gewonnene Kunden der Marke treu blieben. «Ich kann mich nicht erinnern, dass wir in jüngerer Vergangenheit einen guten Kunden an den Wettbewerb verloren hätten», so Bier. Dies sei vor allem der hohen Zuverlässigkeit der Produkte und einem globalen technischen Support zuzurechnen.

Support nicht nur am Telefon oder vor Ort beim Kunden – sondern auch in Form des eingangs erwähnten EMV-Labors. «Wir haben das Equipment und die Manpower, nicht nur unsere eigenen Prototypen zu testen, sondern auch komplette Applikationen unserer Kunden», betont Bier mit Blick auf sein hochmodernes EMV-Labor. Time-to-Market ist ein kritischer Faktor und im Falle einer gescheiterten Zertifizierung, gehen schnell einmal acht Wochen ins Land für ein notwendiges Re-Design und einen neuen Platz in der Warteschlange bei der Zertifizierungsstelle.

EMV-Expertin mit grosser Erfahrung

Dem können die Kunden entgegenwirken, indem sie im Vorfeld der Zertifizierung freie Kapazitäten im Recom-Labor nutzen. Hier lassen sich jederzeit normkonforme Messungen leitungsgebundener und abgestrahlter Emissionen nach CISPR 22 durchführen. Ausserdem sei das Labor für Messungen nach EN 61000-4-x und EN 61000-3-2 gerüstet, die insbesondere für LED-Treiber ein wichtiges Kriterium seien. Die Ausrüstung des Labors ist aber nur die eine Seite der Medaille – ebenso wichtig sei die Expertise bei der Durchführung der Tests. «Wie in der Formel 1 braucht man nicht nur ein gutes Auto – man braucht auch einen guten Fahrer», meint Bier mit Blick auf die mehrjährige Erfahrung seiner EMV-Expertin Josefine Lametschwandtner.

Durch die besondere Nähe zur Kundenapplikation verspricht man sich bei Recom wichtige Impulse bei der Entwicklung neuer Produkte. Derzeit befindet sich das Unternehmen gerade in der Endphase der Entwicklung eines neuartigen LED-Treibers, der sich per Software auf die Kenndaten verschiedenster LED einstellen lässt.

100 Millionen Umsatz bis 2020

Noch vor dem Ende des Jahrzehnts strebt Recom einen Umsatz von 100 Mio. Franken an. Dieses Ziel ist bei der Konzeption des Neubaus berücksichtigt worden – insbesondere beim ERP-gesteuerten Logistik-Center. Dadurch ist es auch möglich, in der Auftragsbearbeitung neben den regionalen Spezial-Distributoren, auch mit international operierenden Broadlinern wie Arrow, Bürklin, Conrad, Digi-Key, Distrelec Schuricht, Farnell, Future, Mouser, RS, Rutronik oder Schukat hoch effektiv zusammenzuarbeiten. Auch Büroräume und Labors seien ausreichend vorhanden. Das Gros der für die geplante Umsatzverdopplung notwendigen Mitarbeiter, wird in den beiden Fertigungsstätten in Taiwan gebraucht. Dort stehen hochmoderne SMT-Fertigungsstrassen und es gibt genug Kapazität, um die Produktion von immer mehr Modulen zu bewältigen. «Auf den ersten Kunden aus der Schweiz, der im schönen Gmunden unsere Labors benutzt, warten wir zwar noch, aber ich bin mir sicher, dass wir diesen mit unseren Leistungen mehr als überzeugen können», schliesst Karsten Bier seine interessanten Ausführungen ab.

Die EMV-Expertin Josefine Lametschwandtner hilft den Kunden bei der Durchführung der EMV-Tests

Infoservice


Recom Electronic GmbH & Co KG
Carl-Ulrich-Strasse. 4, DE-63263 Neu-Isenburg
Tel. 0049 6102 88 38 10,
www.recom-electronic.com